Segelflugmeisterschaft Rheinland-Pfalz 2011 im Rahmen des 26. Dannstadter VergleichsfliegensIn diesem Jahr wurde die rheinlandpfälzische Segelflugmeisterschaft in das Vergleichsfliegen integriert, was zu einem spürbaren Anstieg der teilnehmenden Piloten führte. Das Teilnehmerfeld umfasste insgesamt 34 Flugzeuge, wobei 24 in der gemischten Klasse (Index > 106) und 10 in der Clubklasse antraten. Am Mittwoch reisten die Teilnehmer mit ihren Anhängern und Flugzeugen an und bauten auf dem Dannstadter Segelfluggelände ihr „Zelt-Lager“ für die nächsten Tage auf. Beim abendlichen Eröffnungsbriefing begrüßte der diesjährige Wettbewerbsleiter Bernd Schwehm die zahlreichen Piloten mit ihren „Rückholern“ und stellte seine komplette Mannschaft vor: Peter Franke fungiert als Sportleiter, Dieter Klingenschmitt kümmert sich um die komplette Organisation. Die Auswertung der Flüge und den Internetauftritt übernehmen Sebastian Ilg und Dominik Lott, Roswitha Ulrich steht als erfahrene Meteorologin zur Verfügung und last but not least sorgt Gerold Hohn (Jun.) für einen reibungslosen Ablauf des Flugbetriebs. Nach der obligatorischen Wahl der Pilotensprecher – Peter Mangold für die Clubklasse und Harald Weber für die gemischte Klasse – präsentierte Rosi die aktuellen Wetterkarten, die durch eine recht starke Nordostströmung geprägt waren. Sportleiter Peter Franke wagte trotzdem eine erste Prognose: „Im ersten Block der Meisterschaft werden wir wahrscheinlich an drei Tagen fliegen“ – und so kam es dann auch. ![]() Bild 1: Startaufstellung in Dannstadt „Mäßige bis gute – durch starken Wind zerrissene – Blauthermik“ prognostizierte Rosi für den ersten Wertungstag. Das sich verstärkende Hoch und die sehr lebhafte Strömung aus Nord-Ost waren die Schwerpunkte ihrer anschaulichen Interpretation des Wettergeschehens. Sportleiter Peter Franke präsentierte im Anschluss die zu fliegenden Aufgaben 181km für die Clubklasse: Dannstadt – Walldorf – Grünstadt - Bad Bergzabern – Deidesheim - Dannstadt 225km für die gemischte Klasse:Dannstadt – Bruchsal – Bad Bergzabern – Deidesheim – Dannstadt Die Clubklasse hatte es sichtlich schwer, gegen den bis zu 40km/h starken Nordost-Wind anzukommen – Glück hatten dabei Peter Franke und Norman Stirbu, die vor dem Abflug eine Welle östlich den Platzes fanden und diese bis auf 2.100m nutzen konnten. Beide flogen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 51km/h auf die ersten beiden Tagesplätze, gefolgt von Christian Männike. In der gemischten Klasse umrundete das Team Weber/Bock mit knapp 72km/h die Aufgabe am schnellsten, büßte aber leider durch eine falsche Eingabe der Wendepunktformate und den daraus folgenden 150 Strafpunkten den ersten Tagessieg ein. Dieser ging dann an Jonas Schur gefolgt von JJ Logtenberg. 2. Wertungstag - Freitag „Das Hoch mit Schwerpunkt über den britischen Inseln verschiebt sich nach Norden, bleibt aber noch wetterbestimmend“. Die nach wie vor sehr lebhafte Ostströmung und der Aufzug hoher Bewölkung von Nordost machte die passende Aufgabenfindung für die Wettbewerbsleitung sehr schwierig - ein weiteres Briefing wurde deshalb auf 12:00 Uhr angesetzt. In der Zwischenzeit konnten die jeweiligen Vortagessieger dem interessierten Teilnehmerfeld ihren Flugverlauf, der auf einer Videoleinwand eingeblendet wurde, taktisch erläutern. Dieses traditionell offene Umgehen und Austauschen von Informationen ist ein wesentlicher Bestandteil des Dannstadter Vergleichsfliegens und sorgt für das besondere Flair. Folgende Tagesaufgaben wurden beim 2. Briefing gestellt: 144km für die Clubklasse:Dannstadt – Landau – Malsch - Grünstadt – Deidesheim - Dannstadt 182km für die gemischte Klasse:Dannstadt – Malsch – Lorsch – Grünstadt – Edenkoben – Bad Dürkheim – Dannstadt Die Clubklasse musste sich bei schwachem und sehr zerrissenem Steigen erst mal oben halten. Die gemischte Klasse blieb zunächst am Boden und konnte so die weitere Wetterentwicklung und die ersten ungewollten Landungen am Platz beobachten. Während sich einige Piloten der Clubklasse, nach Öffnung der Abfluglinie, mutig auf Kurs begaben, wurden in der gemischten Klasse die ersten Stimmen laut, die ein Neutralisieren der Aufgabe wünschten. Die Wettbewerbsleitung ließ sich dadurch aber nicht beeindrucken und schickte auch die gemischte Klasse knapp 2 Stunden später in die Luft. Mittlerweile hatten sich in der zunehmend labilisierenden Luftschicht, schöne Cumuli und Aufreihungen gebildet, die es den Teilnehmern der gemischten Klasse relativ leicht machte, ihre Aufgabe zu umrunden. Bernd Schwehm gelang dies als Tagessieger mit einem Schnitt von 95km/h, gefolgt von Charly Müller und JJ Logtenberg. Ganz anders in der Clubklasse. Bis Landau ging es mit dem Wind im Rücken ganz gut voran, was sich aber auf dem Gegenwindschenkel nach Malsch schlagartig änderte. Die Steigwerte waren zu schwach, um gegen den starken Wind voranzukommen und Aufreihungen waren durch den frühen Start leider noch nicht vorhanden - so waren wieder mal die Rückholer gefordert, die ihre Piloten verstreut zwischen Landau und Malsch von den Äckern holten. Einzig Peter Mangold, der kurz vor Schließung der Abfluglinie und Norma Stirbu, der nach der gemischten Klasse erneut geschleppt wurde, umrundeten die Aufgabe in dem dann sichtbar besseren Wetterfenster. Trotzdem gab es an diesem Tag keine Wertung in der Clubklasse, weil die Mindeststrecke (25% der Piloten müssen mindestens 100km weit fliegen) knapp verfehlt wurde. 3. Wertungstag - Samstag „Mäßige bis gute Thermik – örtlich durch Überentwicklung gestört“ war die Headline in Rosis Wetterbriefing. „Das Hoch zieht nach Osten ab während sich das Tief im Süden verstärkt. Die feuchtlabile Luft bringt uns zunächst 2-4/8 Cumuli mit einer Basis von 1.600m und gegen Mittag die ersten CBs, bei einer Tageshöchsttemperatur von ca. 30°C“. Da für die Wettbewerbsleitung die Entstehung bzw. das Auftreten der CBs nur sehr schwer vorhersehbar war, wurde die erste AAT-Aufgabe gestellt. Bei dieser speziellen Geschwindigkeitsaufgabe mit festgelegten Wendegebieten, bekamen die Piloten einen großen Spielraum, für die sichere Gestaltung ihres Flugweges.
![]() Bild 3: AAT für beide Klassen am 3. Wertungstag In der Clubklasse hatten die drei schnellsten Piloten – Peter Mangold, Peter Franke und Nils Koster - einen Schnitt von über 70km/h erzielt. In der gemischten Klasse waren die „Langohren“ mit Frank Fröhlich und Bernd Schwehm wieder mal am schnellsten (99km/h), mussten aber den ersten Tagesplatz indexkorrigiert an Martin Seibel, der mit seiner ASW20 einen Schnitt von 90km/h erflog, abgeben. Sonntag wurde neutralisiert „Die Tiefdruckrinne, die sich von Frankreich nach Deutschland erstreckt, wird uns heute massiv beschäftigen“ – waren die einleitenden Worte von Rosi. „Es wird labile und schwül warme Luft herangeführt, die sich am frühen Nachmittag in kräftigen Gewittern entlädt“. Auch die Thermikvorhersage: „mäßig, durch Überentwicklung gestört“ klang nicht sehr optimistisch. Lediglich der Wind hatte nachgelassen und auf Südwest gedreht, was aber nur ein kleiner Trost war. Peter Franke stellte wieder eine AAT und rief die Startbereitschaft für 11:00 Uhr aus. Die Wettbewerbsleitung spekulierte auf einen frühen Start, um vor den Gewittern wieder rechtzeitig zu Hause zu sein. AAT (102/319km) für alle Klassen mit den Wendegebieten: Rotheberg – Bruchsal – Bundenthal-Rumbach Leider machte die schwache Thermik einen Strich durch die Rechnung. Die Clubklasse startete erst um 12:30 Uhr und sah kurz danach schon etliche Gewitter im weiteren Umkreis heranziehen. Die Wettbewerbsleitung neutralisierte aus Sicherheitsgründen - noch vor dem Start der gemischten Klasse - den Tag für beide Klassen. Denkbar knapp ging es dann erst mal in die Pause – in der Clubklasse liegen die ersten vier und in der gemischten Klasse die ersten sechs Plätze in der „Halbzeitwertung“ sehr eng zusammen. ![]() Bild 4: Das Teilnehmerfeld der diesjährigen Landesmeisterschaft Mit guter bis sehr gute Wolkenthermik startete der Wettbewerb am Pfingstsamstag motiviert in die 2. Hälfte. „Nach der abgewanderten Kaltfront werden wir heute eine klassische Rückseite erleben“, prognostizierte Rosi. Für beide Klassen wurde daraufhin wieder eine AAT ausgeschrieben: Der Clubklasse wurden die Wendepunktgebiete Marpingen, Donnersberg, Krehberg und Leimen und der gemischten Klasse Dillingen, Krehberg und Malsch vorgegeben. Für die Clubklasse war die Aufgabenstellung gut erfüllbar, nur die gemischte Klasse hatte im Umkreis von Dillingen mit starker Abschirmung und Schauern zu kämpfen. Hier zahlte sich ein früher Abflug aus – Martin Bahlinger wendete noch vor den Schauern und sicherte sich mit einer Schnittgeschwindigkeit von fast 110km/h den Tagessieg. Auf den Rängen folgte das Team Weber/Bock und Jonas Schur. In der Clubklasse flog Peter Mangold mit 96 km/h auf den ersten Platz, gefolgt von Peter Franke und Nils Koster. 5. Wertungstag – Pfingstsonntag – Tag der großen Strecken „Schwacher Zwischenhocheinfluss verschafft uns heute gute Wolkenthermik“. Rosis optimistische Wettervorhersage animierte Sportleiter Peter Franke, den Pfingstsonntag als „Tag der großen Strecken“ auszurufen. Vorsicht war allerdings geboten, weil sich am Nachmittag von Westen her die Front des nächsten Tiefs nähern sollte. Manchem Teilnehmer war es schon etwas mulmig zumute, als die großen Strecken von der Wettbewerbsleitung auf der Leinwand präsentiert wurden: Die Clubklasse hatte ein 405km FAI-Dreieck mit den Wendepunkten Werneck und Aalen als Aufgabe, während die gemischte Klasse für das 503km FAI-Dreieck mit den Wenden Maroldsweisach und Aalen Heidenheim etwas weiter ausholen musste. Spannend wurde dieser Tag, weil gegen Nachmittag die vorhergesagte Abschirmung doch ziemlich schnell von Westen in Richtung des letzten Schenkels aufgezogen war und die Sonneneinstrahlung sehr stark abschwächte. Nach den ersten Außenlandemeldungen, die bei der Wettbewerbsleitung eingingen, war die Anspannung bei allen am Platz spürbar. Als Peter Mangold kurz vor 17:00 Uhr seine Anflugmeldung „Y – 20km“ durchgab, ging ein Raunen durch die Menge. Er berichtete von Problemen auf dem letzten Schenkel, hielt es aber trotzdem für möglich, dass viele noch nach „Hause“ kommen. Und tatsächlich kamen dann auch nach und nach die Anflugmeldungen, bis auch der letzte „Heimkehrer“ kurz vor 19:00 Uhr, in Dannstadt sicher gelandet war. Es war wohl ein harter Kampf gegen die Abschirmung, doch die Anspannung auf den Gesichtern der Piloten wich nach der Landung sehr schnell der Freude. Viele von ihnen hatten bisher noch kein so großes FAI-Dreieck geflogen – 14 Teilnehmer können ihren Flug zur Erlangung eines Streckendiamanten beim DAeC einreichen. Entsprechend fröhlich und ausgelassen wurde dieser Tag noch bis spät in die Nacht gefeiert. Pfingstmontag wurde neutralisiert Der „letzte Wettbewerbstag“ wurde von Bernd Schwehm neutralisiert, weil die Wetterspezialisten durch den Aufzug einer Warmfront kaum nutzbare Thermik vorhersagten und der vergangene Tag doch den meisten noch in den Knochen steckte. Er bedankte sich bei allen Teilnehmern für deren diszipliniertes Verhalten und appellierte eindringlich an alle, das erflogene Leistungsabzeichen beim DAeC zu beantragen - nicht zuletzt, um die Leistungsfähigkeit unserer Piloten im internationalen Vergleich zu unterstreichen. Damit stand das Endergebnis des Wettbewerbs und somit auch die Rheinland-Pfalzmeister Peter Mangold (Clubklasse) und das Team Harald Weber / Ralf Bock (gemischte Klasse) fest, die in einer feierlichen Siegerehrung freitags darauf geehrt wurden. Hierzu war eigens Ernst Eymann, der Präsident des Luftsportverbandes Rheinland-Pfalz, standesgemäß mit seiner Bölkow 207, nach Dannstadt angereist. Die Vorsitzenden er beiden ausrichtenden Dannstadter Vereine, Reinhardt Hähndel und Michael Hettenbach, begrüßten die Gäste und lokale Prominenz. Sportleiter Peter Franke bedankte sich nochmals bei allen Teilnehmern für deren faires und sportliches Verhalten und führte humorvoll und unterhaltsam die Siegerehrung durch. ![]() Bild 5: Der zweitplatzierte Nils Koster gratuliert dem Sieger der Clubklasse Peter Mangold – auf Platz 3 landete Norman Stirbu ![]() Bild 6: Das Gewinnerteam der gemischten Klasse Harald Weber und Ralf Bock umrahmt von Frank Fröhlich und JJ Logtenberg |
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